Aus dem Archiv der ExtraTip Mediengruppe.
vom 01.08.2010


Ist Kassel sicher?

Statt hinter Gittern in der Nachbarschaft: Das EU-Urteil versetzt nun auch die Nordhessen in Alarmbereitschaft.	Foto: ArchivVon RAINER HAHNE

Kassel. Eine Lawine hat der Europäische Gerichtshof losgetreten. Gewaltverbrecher, die in Sicherheitsverwahrung saßen, müssen überall in der Bundesrepublik freigelassen werden. Zwei von ihnen sind mittlerweile in Kassel. Ein Dritter kommt noch dazu.


„Ja, es stimmt. Zwei Entlassene haben sich bei uns gemeldet. Ein Dritter soll noch dazu kommen“, bestätigte Oberbürgermeister Bertram Hilgen und fügte mit Galgenhumor hinzu. „Kassel ist eben eine schöne Stadt, und Nordhessen eine wunderbare Landschaft. Deshalb haben die sich wohl für unsere Region entschieden. Wir haben niemand eingeladen, zu uns zu kommen. Das können die selbst entscheiden. Machen können wir dagegen nichts.“ Er habe wenig Verständnis dafür, dass diese Schwerverbrecher frei gelassen worden sind. „Juristisch ist das leider o.k., inhaltlich aber nicht.“ Polizei und Justiz müssten sich jetzt darum kümmern, dass nichts passieren kann. „Das Land ist in der Verantwortung. Die Regierung muss die Konsequenzen tragen. Jetzt muss so schnell wie möglich diese Gesetzeslücke geschlossen werden“, so Hilgen.

Wie gut kennen Sie eigentlich ihren Nachnbarn?          Fotomontage: Jöst  In anderen Städten wehrt man sich bereits - wie in Marburg.  Oberbürgermeister Egon Vaupel ging an die Öffentlichkeit, als die drei Gewalttäter  ankamen: „Das zumutbare Maß ist für Marburg überschritten.“ Er setzte sich umgehend mit dem Justizministerium in Verbindung.  Es  gelte, zwischen der Freiheit des Einzelnen und der Sicherheit der Gesellschaft abzuwägen.


Mit drei entlassenen Gewalttätern in einer Stadt von der Größe Marburgs sei dieses Gleichgewicht nicht gewahrt, im Gegenteil. „Es geht zu Lasten des Sicherheitsgefühl der Menschen“, betont der OB.


Von der Landesregierung erwartet der Oberbürgermeister, endlich dafür Sorge zu tragen, dass alltagstaugliche Regelungen und Konzepte für die Betreuung der entlassenen Sicherungsverwahrten auf den Tisch kommen.
Bis heute gebe es hessenweit weder ein Konzept für die Betreuung dieses Personenkreises, noch sei verbindlich ein Träger gefunden worden.
Vaupel: „Wir als Kommune werden vor vollendete Tatsachen gestellt und allein gelassen.“ Er habe keine Kenntnis, ob die personellen Ressourcen der Polizei ausreichen, um in Marburg drei Sicherungsverwahrte zu überwachen, sagt Egon Vaupel. „Ich bezweifle dies aber!“

In Niedersachsen hat sich eine Stadt erfolgreich gewehrt. Ein Sexualstraftäter aus Baden-Württemberg wurde in ein Alten- und Pflegeheim in Bad Pyrmont eingewiesen. Nur wenige Tage später war er wieder verschwunden. Massive Proteste der Bevölkerung und der Einsatz von Bürgermeister und Landrat hatten offensichtlich Wirkung gezeigt.

 

 

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 Urteil umsetzen

100%ige Sicherheit gibt es nicht

 

Kassel. Die Kasseler Justizbehörden sind dazu verpflichtet, die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte umzusetzen.  Dazu sagt Dr. Jürgen Kitzinger, Sprecher des Landgerichts Kassel und Leiter der Führungsaufsichtsstelle: „Wenn jemand entlassen werden muss, tritt per Gesetz die Führungsaufsicht in Kraft.“ Das bedeute: Dem Entlassenen wird verpflichtend ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.


Laut Paragraf 145aStGB können bei Zuwiderhandlungen bis zu drei Jahre Gefängnis folgen. Kitzinger: „Es gibt auch Diskussionen, im Rahmen der Führungsaufsicht strengere Weisungen ins Gesetz aufzunehmen.“ Die  elektronische Fußfessel sei so ein Thema.  Aber das ist Sache der Politik: Und: Wenn jemand frei ist, ist er frei. Eine hundertprozentige  Sicherheit gibt es dann nicht mehr.     


 



Lesermeinungen zu diesem Artikel

undefined schrieb am 01.08.2010 um 17:55:33
"ich finde es ganz schön heftig jetzt muss man noch mehr angst um seine kinder haben so leute dürfen nicht frei gelassen werden "
bonecrusher schrieb am 02.08.2010 um 00:22:04
"Es ist verlogen,zu glauben,dass es nur drei entlassene Schwerverbrecher waeren,an denen sich das Volk stoert. Ich kann ihnen sagen,in Kassel leben so viele entlassene Kinderschaender,die keine Sicherungsverwahrung hatten. Und auch Schwerstkriminelle,wie Bankraeuber,Moerder etc. Hallo,wer in Kassel in der Sozialtherapeutischen Anstalt einsitzt und seine sozialen Kontakte verloren hat, bleibt in der"
bonecrusher schrieb am 02.08.2010 um 00:27:19
"Regel auch in Kassel und wird hier eingegliedert. Auch die JVA 1 in der Theodor-Fliedner Str. entlaesst viele Haeftlinge in Kassel. Ich sass selbst wegen Vergewaltigung 3,5 Jahre in Wehlheiden. Ich rede aus Erfahrung. Das Volk wird verarscht und merkt es nicht. Wir haben Knaeste mitten in Staedten,also muessen wir auch damit leben. Punktum so ist es. Uebrigens wird kein Gutachter der Welt einen "
bonecrusher schrieb am 02.08.2010 um 00:34:53
"Haeftling als nicht gefaehrlich einstufen. Dann waere er seine Zulassung los, wenn doch was passiert. So kann man immer noch argumentieren, ich habe es euch ja gesagt. Uebrigens bin ich seit ueber zehn Jahren straffrei,trotz schlechter Prognose des Gutachters."
frust schrieb am 02.08.2010 um 09:30:54
"Die lieben Eurokraten haben mal wieder zugeschlagen,Gurken die gerade sein müssen,und jede Menge anderer Schwachsinn und das auf Steuerkosten.Warum überhaubt SV .Einfach mal das Strafmaß von Lebenslänglich=15 Jahre auf min 45 Jahre erhöhen. Vieleicht brauchen wir dann keine SV mehr.(die Strafen für Jugendliche sind auch nur eine Lachnummer) "
Tomas A. schrieb am 02.08.2010 um 10:27:26
"Weiter so, als ob wir nicht schon genug Gewaltverbrechen haben, werden jetzt duch den Europäischen Gerichtshof Verbrecher vorzeitig aus ihren Zellen entlassen. Wer denkt da mal an die Opfer !!?? Kopfschüttel von mir"
bonecrusher schrieb am 02.08.2010 um 19:01:21
"Wer glaubt,denn, die sicherungsverwahrung waere das Mittel,Haeftlinge lebenslang wegzusperren. Das gibt es hier in Deutschland nicht. Jeder kommt irgendwann frei. Lang lebe Deutschland und waehlt alle schoen weiter die CDU und SPD und Gruene. Es wird Zeit, dass Deutschland wieder aufsteht und sich erhebt."
Regina Ron schrieb am 03.08.2010 um 14:04:25
"Ich finde es unverantwortlich diese Verbrecher auf die Bevölkerung loszulassen!!! Meiner Meinung nach müssten sie weiter in einer Anstalt therapiert und überwacht werden, zumindest die, die noch als gefählich eingestuft werden. Um die Rechte der Opfer haben sich die Täter damals auch nicht geschert!!!"
Enna schrieb am 03.08.2010 um 14:13:48
"Ich finde es unvertretbar solche Verbrecher auf die Bevölkerung loszulassen!!! Es ist vermessen zu glauben, dass nichts passieren wird, denn es ist nur eine Frage der Zeit. Und ich möchte nicht das mein Kind, Freundin oder Schwester als Versuchskaninchen der Politik enden."
(Lesermeinungen sind keine redaktionellen Meinungsäußerungen)

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